Über mich

Ob Eisblumen an den Fenstern wuchsen, als ich im Januar 1968 das Licht der Welt erblickte, weiß ich nicht. Aber dass es ein Dienstag war und später Nachmittag. Über meine Kindheit kann ich nur sagen, dass sich die ersten Jahre in einem Örtchen namens Drögeheide abspielten. Später zogen wir dann nach Schwedt nahe der polnischen Grenze. Meine am weitesten zurückliegende Erinnerung ist die vom Einschulungstag. Ich kann mich noch deutlich an dieses fürchterliche Kleid mit Puffärmeln erinnern, die mir in die Oberarme strammten. Da tröstete auch die Zuckertüte wenig.

In der Schule kam ich ganz gut zurecht. Mathe fiel mir besonders leicht. Ich glaube, Zahlen liegen mir. 1984 begann ich meine Berufsausbildung zur Elektronikfacharbeiterin mit Abitur, erlernte also den Beruf und erlangte parallel die Hochschulreife. Es folgten viereinhalb Jahre Studium der Automatisierungstechnik in Chemnitz. Die ermutigenden Worte eines Profs zum Abschluss: »Was Sie hier an Fachwissen gelernt haben, wird, abgesehen von den Grundlagen, in fünf Jahren veraltet sein.« Super!

Von 1992 bis 2000 verdiente ich als Technische Sachbearbeiterin bei Siemens in Berlin meine Brötchen. 2000 schloss Siemens die Abteilung. Man bot mir eine Versetzung an. Ich lehnte ab. 2001 wanderte ich nach Dänemark aus. 13 Jahre lebte ich auf der Insel Langeland, ein wunderschönes, abgelegenes Fleckchen Erde, wo ich viel Ruhe fand und Zeit zum Schreiben.

2014 zog es mich nach Deutschland zurück, diesmal nach  Bayern, wieder in eine ländliche Umgebung. Das Schreiben begleitet mich immer noch, aber es war immer und ist nur ein Hobby. Im Hauptberuf bin ich jetzt Immobilienverwalterin.

Ich wollte ja schon immer einen Roman schreiben . . .

JuliaArden

Oft höre oder lese ich: »Ich wollte ja schon immer einen Roman schreiben, habe auch eine Idee – aber irgendwie fehlt es mir an Zeit. Stress im Job, meine Familie und Freunde beanspruchen mich sehr, dann noch die Hausarbeit. Eigentlich bleibt mir nur das Wochenende zum Schreiben, und da kommt dann auch meistens was dazwischen.«

Es mag ja Ausnahmen geben, aber wer so spricht, wird wahrscheinlich nie einen Roman fertigstellen. Nicht bevor die Erkenntnis durchbricht: Ich muss mir die Zeit irgendwoher beschaffen, muss – wenn nicht anders – bestimmte Dinge dem Schreiben opfern.

Schreiben ist Arbeit, und wer eine Arbeit ernsthaft und erfolgreich ausführen will, muss sich Zeit dafür nehmen. Schreiben erfordert Disziplin. Die Zeit fürs Schreiben muss fest im Alltag integriert sein. Schreiben ist auch ein Handwerk. Will man (dauerhaft) gut darin sein, muss man es, wie jedes Handwerk, erlernen und täglich betreiben, um seine Fertigkeiten zu verbessern.

Das klingt anstrengend? Ja. Das ist es auch.

Ich schreibe seit 1993. Einfach so, von einem Tag auf den anderen. Es gab kein Schlüsselerlebnis. Als ich etwas später einer Freundin davon erzählte, und gestand, dass ich irgendwie feststeckte, gab sie mir den Rat zu einem Fernstudium. Ich folgte dem Rat und erlernte von 1997 bis 1998 die Technik der Erzählkunst. 2005 erschien mein erster Roman im el!es Verlag, bis 2012 acht weitere. 2013 trennte ich mich vom Verlag und veröffentliche seitdem als Selfpublisher. Viele weitere Romane kamen so dazu. 2018 gelang es mir, die Veröffentlichungsrechte meiner im el!es Verlag erschienenen Titel zurückzuholen. Im Moment unterziehe ich diese Titel einer Überarbeitung (Korrektorat und Covergestaltung) und veröffentliche sie nach und nach ebenfalls in Eigenregie.

Seit der Trennung vom Verlag haben sich die Kontakte zu meinen Leserinnen vervielfacht, insbesondere das Feedback. Das ist mir sehr wichtig. Ebenso wie die Dinge in den eigenen Händen zu halten. Dadurch ist natürlich auch einiges an Arbeit hinzugekommen. Ich habe die Verantwortung für das Lektorat (glücklicherweise fand ich eine sehr fachkompetente Lektorin), entwerfe die Buchcover selbst, konvertiere das Manuskript in die verschiedenen E-Book Formate und verteile die E-Books an die Distributoren.

Ich hoffe, ich kann noch einige Jahre weitermachen. An Zeit und Disziplin soll es nicht mangeln, aber es kostet auch Kraft. Und mit den Jahren lässt die ja bekanntlich nach. Manchmal denke ich: »Was soll’s. Ich lasse es einfach. Habe genug Bücher geschrieben.« Aber schon während ich das denke, wird mir klar, dass das nicht geht. Mir würde etwas fehlen. Ich bin einfach zu abhängig von der Droge Schreiben.

Interview mit Julia Arden  erschienen im Blog des Ylva Verlages