Tipps für Autorinnen …

… insbesondere die, die ihr erstes Werk geschrieben haben.

Die meisten Debüt-Autorinnen fragen sich vor allem eines: Wie finde ich einen Verlag für mein Erstlingswerk?

An dieser Stelle rate ich bereits zu der Überlegung, ob die Frage so richtig gestellt ist.  Meiner Meinung nach sollte die Frage besser lauten:  Verlag oder Selfpublishing? Welche Form wähle ich?

Gleich vorab. Keine der beiden Formen bietet die perfekte Lösung. Bei der Wahl kommt es darauf an, was die Autorin will und was sie sich zutraut. Will sie sich hauptsächlich auf das Schreiben konzentrieren und alles, was mit Vermarktung zu tun hat, lieber in professionelle Hände legen? Dann kann ein Verlag der richtige Partner sein. Oder ist sie technikaffin, sowieso aktiv im Netz und traut sich zu, ihr Buch selber bei einem Book on Demand Anbieter einzustellen? Das haben schließlich hunderte andere Selfpublisher vor ihr auch geschafft. Dann ist da auch noch die Frage nach dem Lektorat. Ein Verlag liefert dieses mit. Ist die Autorin fit in Rechtschreibung und Grammatik hat sie auch als Selfpublisherin kein Problem, ansonsten kommen (nicht unerhebliche) Kosten auf sie zu. (Ich kann übrigens das Lektorat Buchstäblich empfehlen. Faire Preise, gute Leistung.)

Wie auch immer die Entscheidung ausfällt – es muss keine Für-Immer-Entscheidung sein. Man kann als Verlagsautorin beginnen und später sein Glück als Selfpublisherin versuchen. (Achtung, dann unbedingt eine evtl. Optionsklausel im Verlagsvertrag ablehnen – sonst kann der Wechsel schwierig werden. Dazu aber gleich weiter unten mehr). Der umgekehrte Weg ist natürlich ebenso möglich.

Die Suche nach einem Verlag kann sich lang und frustrierend gestalten. Große Verlage werden mit Manuskripten überhäuft und die Chance, dort einen Fuß in die Tür zu bekommen, ist gering. Kleine Verlage hingegen sind oft auf der Suche nach Autorinnen, um ihr Verlagsprogramm füllen zu können. Hier ist die Chance grösser, ein Buch unterzubringen. Aber auch die Gefahr, dass der Verlag nach kurzer Zeit sang und klanglos wieder von der Bildfläche verschwindet, weil er sich nicht halten kann.

Hat eine Autorin über kurz oder lang einen Verlag gefunden, der an ihrem Manuskript interessiert ist, sollte sie vor lauter Euphorie nicht alle Vorsicht über Bord werfen. Ich rate dringend dazu, sich den Verlagsvertrag genau durchzulesen und nicht leichtgläubig alles zu unterschreiben.

Aus eigener Erfahrung, gebe ich folgende Tipps zum Verlagsvertrag:

  • Ein Verlagsvertrag sollte keine Optionsklausel enthalten, insbesondere keine, die weder zeitlich noch gegenständlich begrenzt ist. Wenn der Vertrag doch eine solche Klausel enthält, sollte diese Option nur für das nächste Werk gelten (eine Formulierung wie z. B. „für alle zukünftigen Werke“ sollte man ablehnen). – Falls jemand einen Vertrag mir einer solchen, nicht näher bestimmten, Optionsklausel bereits unterschrieben hat – keine Panik. Auch wenn es Verlage gibt, die behaupten, damit stehe ihnen der Verlagsvertrag an jedem weiteren, neuen Buch zu, dem ist nicht so! Der Verlag kann sich mit dieser Klausel, wie der Name schon sagt, nur die Option sichern, dass man ihm das(die) nächste(n) Werk(e) anbietet. Der Verlagsvertrag selbst ist und bleibt für jeden weiteren Titel Verhandlungssache. Werden beide Seiten (Verlag und Autorin) nicht einig, muss der Vertrag nicht zustande kommen. Soll heißen, nur weil man einmal einen Vertrag mit einem Verlag geschlossen hat, muss man das nicht immer wieder tun. Schon gar nicht immer wieder zu denselben Bedingungen. War man unzufrieden mit der Verlagsleistung oder möchte bestimmte Vertragsklauseln angepasst haben, sollte man das Gespräch mit dem Verlag suchen und entsprechende Änderungen im Vertrag fordern. Man sollte sich auf keinen Fall bloß mit Versprechungen abspeisen lassen. (Hinweis: Die Kündigung einer  zeitlich und gegenständlich unbegrenzten Optionsklausel ist über § 40  UrhG möglich. )
  • Als Vertragslaufzeit sollte nicht „die Dauer der gesetzlichen Schutzfrist“ vereinbart werden, denn das bedeutet 70 Jahre bis nach dem Tod des Urhebers. Wozu das auch? Ein Buch hat i.d.R. ein oder zwei Jahre nach seinem Erscheinen seinen Verkaufszenit überschritten. Spätestens nach einem weiteren, dritten Jahr flachen die Verkäufe ins Unbedeutende ab. Dann ist der Titel quasi verbraucht. In der Praxis bedeutet das, der Verlag macht keine Werbung mehr für ihn. Er kümmert sich um das aktuelle Tagesgeschäft. Das sind neue Titel! Gingen die Verkaufszahlen eines Buches die ersten drei Jahre nicht durch die Decke, ist es äußerst unwahrscheinlich, dass es danach noch passiert. Es wird auch kein Produzent mehr kommen, der das Buch verfilmen will. Auch eine Übersetzung, wenn bisher nicht beim Verlag in fester Planung, wird es nicht mehr geben. Warum also sichert sich ein Verlag das Verlagsrecht und sämtliche Nebenrechte für einen Zeitraum, der einer gefühlten Ewigkeit entspricht? Das macht keinen Sinn und sollte jede Autorin zur Vorsicht mahnen. Eine quasi unendliche Vertragslaufzeit (ohne Vereinbarung einer Kündigungsklausel) dient niemanden, beschränkt aber die Möglichkeiten und Rechte der Autorin erheblich. Seriöse Verlage benutzen die Frist für „die Dauer des Schutzrechtes“ selten und falls doch, bestehen sie nicht darauf, wenn die Autorin eine Befristung der Vertragslaufzeit, z. B. auf 3 oder 5 Jahre wünscht. In der Regel wird eine solche befristete Laufzeit mit einer Vertragsverlängerungsklausel kombiniert. (Hinweis: Oft benutzen gerade solche Verlage die Schutzrecht-Fist, die dann  die Rechte ungenutzt brach liegen lassen. Für solche Fälle regelt  § 41  UrhG das Rückrufrecht bei Nichtausübung von Nutzungsrechten und § 17 VerlG den Rücktritt vom Verlagsvertrag, bei Verweigerung einer Neuauflage durch den Verlag.)
  • Das E- Book Honorar sollte mindestens 10% betragen, fair sind 15 % bis 20 %.  Als Basis dient der Nettoladenpreis. Eine Autorin ist meistens auch eine Idealistin und schreibt nicht des Geldes wegen. Dennoch wünscht sie sich eine faire Bezahlung und damit eine Anerkennung ihrer kreativen Leistung. Bei der Honorarforderung gilt es abzuwägen. Was tut der Verlag für die Autorin? Wofür bezahlt sie ihn eigentlich? Da ist das Lektorat. Und weiter? Im Zeitalter der E-Books und von Print on Demand lassen Verlage kaum noch Auflagen drucken und gehen damit finanziell auch nicht mehr in erhebliche Vorleistung. Covergestaltung und E-Book Erstellung sind oft im Upload-Prozess des Book on Demand Anbieters integriert und kinderleicht. Die Verlage stellen die Titel bei eben diesem Book on Demand Anbietern ein und alles weitere geht von selbst. Das E-Book kommt per Download zur Leserin und das Taschenbuch wird per Bestellbutton in die Druckstraße von Amazon usw. geschickt.  Deshalb ist es ja auch verhältnismäßig einfach, sein Buch selbst zu vertreiben, Stichwort Selfpublisher.  Macht der Verlag also sehr viel aktive Werbung – und vor allem, kommt was dabei heraus? Entscheidend ist nämlich die Frage, wie viel Mehrwert bekommt die Autorin vom Verlag?  Wiegt das die abgegebenen Honorarprozente (insbesondere der E-Books) auf? Als Selfpublisherin erhält man bei Amazon KDP 70 % Honorar vom Nettoverkaufswert eines E-Books, bei anderen Anbietern immerhin noch 50 %. Bietet der Verlag der Autorin nun 10 % oder 15 % Honorar, sollte er für die Differenz eine angemessene Leistung abliefern, sprich die Verkaufszahlen in erhebliche Höhen steigen lassen.
  • Last but not least – ich empfehle vor einem Vertragsabschluss unbedingt den Blick in das Impressum auf der Homepage des Verlages, mit dem man einen Vertrag abzuschließen beabsichtigt. Hier sollten die ladungsfähige Adresse des Verlages, E-Mail, Telefon- und Faxnummer und Hinweise zur Firmierung (Geschäftsführer, Rechtsform, UStId-Nummer, HRA sofern Eintragung vorliegt) stehen.

Seriös arbeitende Verlage werden Formulierungen, vor denen ich hier gewarnt habe, nicht benutzen, ein faires Honorar anbieten und klare Angaben zu ihrer eigenen Identität machen. Wer bei einem Vertragsabschluss unsicher ist, sollte einen Anwalt kontaktieren und den Vertrag prüfen lassen. Das kostet natürlich Geld, aber das ist gut investiert. Natürlich kann man auch andere Autoren des Verlages kontaktieren und mal nachfragen, wie diese die Arbeit des Verlages einschätzen.

Zum Schluss will ich noch kurz auf die sogenannten Zuschussverlage kommen, die ein etwas anderes Konzept verfolgen, als herkömmliche Verlage. Sie schalten i.d.R. Anzeigen „Autoren/Autorinnen gesucht“. Diese Verlage beteiligen die Autorinnen an den Produktionskosten und bieten im Gegenzug ein verlockend hohes Honorar. Autorinnen sollten jedoch wissen, dass sich ein Buch auch verkaufen muss, damit sie an den Erlösen beteiligt werden können. Da sich im Internet bereits genügend Informationen zu diesem Verlagsmodell finden, gehe ich hier nicht noch einmal detailliert darauf ein. Wer erwägt, einen Zuschussverlag zu wählen, sollte sich umfassend informieren.